deejaymoni
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Jean Reno
(Juan Moreno)
Der Fels in der Brandung
Er muss nicht viel sagen - sein Blick spricht Bände. Auch seinem riesenhaften Körper verlangt er nur die allernötigsten Bewegungen ab: Jean Reno ist das, was man eine "Erscheinung" nennt. Sein Spiel ist purer Minimalismus wie bei seinem großen Vorbild Lino Ventura.
Einfach und geradlinig - so wie Jean Reno spielt, so sieht auch sein Privatleben aus: Verheiratet (mit Nathalie Dyszkiewicz), zwei Kinder, eine Wohnung in Paris, recht viel mehr braucht er auch nicht:
"Ich habe den Süden Frankreichs, ich habe Olivenhaine und ich habe gute Freunde, die nicht im Filmgeschäft arbeiten. Ich esse und trinke gerne. Kochen macht mir Spaß. Nichts besonderes - ich lebe das Leben."
Und nebenbei dreht er noch ein paar Filme. Begonnen hat er seine Karriere in Deutschland: Reno war während seines Militärdienstes in Wittlich im Rheinland stationiert. Sein theaterbegeisterter Vorgesetzter bewahrte den jungen Jean davor, im Schlamm zu robben - er stellte den Rekruten lieber auf die Bühne der Kompanie.
Alles hört auf mein Kommando
Heute ist Jean Reno das, was man einen "Star" nennt, obwohl er selbst nicht viel mit dem Begriff anfangen kann: "Das sagen Leute über mich, aber ich erkenne mich darin nicht wieder. Ich habe vielen Verrückten beim Starspielen zugesehen. Es ist ein absolut lächerliches Spiel. Vom sogenannten Stardasein nehme ich mir den Aspekt, den ich daran gut finde: Ich kann mir jetzt meine Rollen aussuchen. Und das tue ich auch."
Eine davon war 1987 die des Rekordtauchers Enzo in "Im Rausch der Tiefe - The Big Blue" von Luc Besson, Jeans Lieblingsregisseur und sein guter Freund. Die Rolle macht Reno und seine so typisch knappe Darstellung berühmt: Ein einziges Wort, ein kurzer Blick oder eine schnelle Handbewegung genügt, und der kleine Roberto holt seinem großen Bruder Enzo hektisch die Taucherflossen, als ginge es um sein Leben.
Die Kunst der Pause
Und doch ist Enzo der einzige, der die seelischen Nöte des Vollwaisen und Delphinnarren Jacques nachempfindet: Der fühlt sich in der Traumwelt des Meeres eher zuhause, als in der kalten Wirklichkeit.
Wie der Weltrekordler in Luc Bessons Taucherepos sind Renos Charaktere immer schillernde Figuren. Sie bleiben oft bis zuletzt zwiespältig: Der auf den ersten Blick so lebenslustige Enzo stirbt bei einem selbstmörderischen Tauchversuch - gerne, wie es scheint.
Wenn Reno erzählt, wie er so etwas spielt, klingt das ganz einfach: "Ich lasse immer einen kleinen Raum zwischen den Gefühlen. Darin können dann Zwischentöne entstehen."
Cool und gefühlvoll
Reno wechselt mit Leichtigkeit zwischen Good Guys und Bad Guys. Type Casting? Nicht mit Jean Reno! In John McTiernans Action-Spektakel "Rollerball" gab Reno den Clubbesitzer Alexi Petrovich, ein echtes Ekel: Der machthungrige Manager fordert von seinem Team mehr als nur Siege. Er will Blut sehen, denn das bringt TV-Quoten. Renos Alexi Petrovich ist eiskalt.
Rückblende ins Jahr 1994: Reno als warmherziger Auftragskiller in "Leon - der Profi". Auf den ersten Blick ein Anti-Held, entpuppt sich Leon als Opfer des Mafia-Systems. Er hat außer Töten nichts gelernt, ist ein Verfolgter, ein Opfer seiner Schuldgefühle und Ängste. Die kleine Mathilda (Natalie Portman) durchbricht die harte Schale und entblößt Leons weichen Kern.
Und wieder weiß man als Zuschauer nicht, welche Seite der Figur Reno überzeugender spielt - den Killer, für den Töten Alltag ist, oder den väterlichen Freund der kleinen Mathilda, der schließlich für sie sein Leben lässt.
Zwischen Paris und L.A.
Reno ist Franzose, geboren in Marokko. Seit "The Big Blue" ist er in Frankreich ein Kassenmagnet und Stammgast in Hollywood: fürsorglicher Polizist an der Seite von Meg Ryan in "French Kiss", Mitglied des ersten "Mission: Impossible"-Teams, Lebensretter für Robert De Niro im Agententhriller "Ronin"; sein knapper Kommentar:
"In Frankreich kann mir keiner das Geld zahlen, das ich in Hollywood verdiene."
Klingt einleuchtend.
Dunkelpurpur
Trotzdem schenkt Reno seiner heimischen Fangemeinde immer wieder Auftritte in französischen Produktionen. Mit "Die purpurnen Flüsse" von Mathieu Kassovitz war 2000 sogar ein internationaler Erfolg dabei. Der ultradüstere Streifen vor der Szenerie der französischen Alpen setzte mit seinen beunruhigenden Bildern neue Thriller-Maßstäbe für Off-Hollywood-Produktionen. Auch in der Fortsetzung mit dem vielsagenden Titel "Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse" ermittelt Jean in einem Fall, der Horror- und Thrillerelemente mit unheimlicher Atmosphäre verbindet.
Reno fügt sich perfekt in die beängstigende Optik ein: Pierre Niemans ist als abgebrühter bärbeißiger Cop wegen seiner unorthodoxen Arbeitsmethoden gefürchtet. Reno lässt die Figur zeitweise unheimlicher wirken als die Taten der Killer, die er sucht.
Delikat
Und schon legt er den Schalter wieder um und spielt in "Jet Lag" neben der hinreißenden Juliette Binoche einen romantischen Liebhaber. Als feinfühliger Ex-Sterne-Koch jagt er seiner verlorenen Liebe hinterher. Da beschert ihm das Chaos auf dem Pariser Flughafen eine Nacht mit einer plappermäuligen Kosmetikerin im gemeinsamen Hotelzimmer.
Waschechter Komödiant ist Reno auch, wen wundert's. Umwerfend komisch ist er als zeitreisender Ritter Godefroy de Montmirail in "Die Besucher" (das US-Remake "Just Visiting" war nur mäßig erfolgreich) und in der Fortsetzung "Die Zeitritter - Auf der Suche nach dem heiligen Zahn": Ein mittelalterlicher Haudrauf wird ins komplexe Leben des Jahres 1992 katapultiert.
Der Ritter der Nation
Den Franzosen gefiel das besser als Blockbuster wie "Titanic" und "Star Wars: Episode I": Die erste der beiden Ritterkomödien ist in Frankreich mit 13 Mio. Besuchern einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Mit "Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette" knüpft Reno jetzt an die legendären Gaunerkomödien von Francis Veber an. Als wortkarger Krimineller muss er sich mit einem aufdringlichen Gérard Depardieu herumschlagen. Die Franzosen werden ihn auch dafür lieben.
Allem Erfolg zum Trotz hat Reno nie den Blick für die Realität verloren. Eine Begegnung mit Sänger, Schauspieler und Umweltschützer Sting hat ihn derart beeindruckt, dass er sich seither vehement für ökologische Belange einsetzt. Auch dabei ist er geradlinig, aber absolut nicht minimalistisch.
Für seine Filme, sein Engagement und sein Olivenöl haben die Franzosen Jean Reno zum "Ritter der Ehrenlegion" gekürt - die höchste Auszeichnung, die Frankreich zu vergeben hat. Dagegen sieht selbst das Gold des Oscars blass aus. |
Einer meiner Lieblingsschauspieler. In Leon der Profi war er unschlagbar zusammen mit Natalie Portman. Top Schauspieler. Was sagt ihr denn zu Jean Reno?
kisses deejaymoni |
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